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Plastische Chirurgie – für Körper und Seele

Plastische Chirurgie – für Körper und Seele

Während ich mich vergangene Woche auf einen Vortrag vorbereitet habe, stellte ich mir die Frage wie ich meine Arbeit und mein Fachgebiet in wenigen Worten beschreiben und zusammenfassen könnte.

Aus Überzeugung heraus sage ich, dass ich nicht nur den Körper und das „Äußere“ durch eine Operation behandle, sondern auch einen Einfluss auf das seelische Wohlbefinden meiner Patienten habe. Meine Arbeit begreife ich als ganzheitliches Konzept mit welchem ich dazu beitrage nicht nur einen Körper, der vielleicht durch Unfall oder Krankheit entstellt wurde, oder welcher die Zeichen der Zeit trägt wieder „schön“ zu machen, sondern dem Betroffenen eine seelische und emotionale Last zu nehmen. Gerade diese „Tiefe“ mit welcher ich Menschen, die zu mir kommen helfen kann, berührt mich und motiviert mich jeden Tag.

Für Außenstehende mag beispielsweise die Korrektur der Augenlider, der Nase, oder der Brust banal und „oberflächlich“ wirken. Jedoch bedeutet sie für die Betroffenen oftmals den Zugang zu einer neuen Welt und einer tiefen emotionalen und seelischen Zufriedenheit. Dieses Zusammenspiel von Körper und Seele, Zufriedenheit und Gesundheit ist es was meinen Beruf erfüllend macht. Ich spüre jeden Tag aufs Neue welche positiven Auswirkungen ein Eingriff auf die Zufriedenheit meiner Patienten haben kann.

Ich hatte als Junge das große Glück und die Ehre Joseph Murray, Nobelpreisträger der Medizin kennen zu lernen. Er war ein guter Freund meines Vaters. Joseph Murray, der dank seiner Forschung um Organtransplantationen (führte 1956 die erste Nierentransplantation durch) den Medizin-Nobelbpreis im Jahre 1990 erhielt, war einer der Ersten, welche Plastische Chirurgie begonnen und als Fachgebiet der Medizin etabliert haben. Bereits im zweiten Weltkrieg hat er versucht Entstellungen zu lindern und den Menschen ein neues Leben zu ermöglichen. In seinem berühmten Buch, „Surgery of the soul. Reflechtions on a curious career“ beschreibt er dann später wie er über die Jahre vielen Menschen mit Entstellungen des Gesichtes und des Körpers, welche unter großen psychischen Belastungen gelitten haben, mit seinem Messer und Instrumenten geheilt habe und Sie dadurch zurück zu Familie, ihrem Leben und ihrer Berufung gefunden haben.

Die Erinnerungen an Joseph Murray haben mich während meiner gesamten Laufbahn immer begleitet. Ich empfinde diesen Gedanken, dass wir als plastische Chirurgen sozusagen „Chirurgie der Seele‘“ betreiben als sehr wertvoll. Für mich ist dieser Gedanke nicht nur ein erfüllender Gedanke, sondern er ist auch Antriebsmotor und Maßstab für mein tägliches Arbeiten. Durch das Bewusstsein, dass ich durch meine Operationen und Behandlungen beim Menschen auch die kostbare Seele behandle, werde ich mir meiner Verantwortung noch mehr bewusst. Und diese geht über die reine medizinische Verantwortung für jeden Einzelnen hinaus.

Im Bewusstsein dieser Verantwortung, aber auch der Möglichkeit „Neues“, „Glück“ und „Zufriedenheit“ zu gestalten und zu erschaffen, sowie große psychische Belastung zu lindern versuche ich jeden Tag aufs Neue meinen Patienten zu begegnen, sie individuell zu beraten, auch im Hinblick auf das Machbare, und versuche mit meinem gesamten Team ihre Vorstellungen und Wünsche zu erfüllen. Plastische Chirurgie ist somit für mich die formende und wiederherstellende Chirurgie des Körpers und des Gesichtes. Sie trägt somit entscheidend zum seelischen Gleichgewicht des Menschen bei.