Diagnose Brustkrebs - was kann die Plastische Chirurgie tun?

Die Diagnose Brustkrebs trifft viele Frauen, deren Familien und Angehörige oft unvorbereitet und aus dem Nichts.

Viele meiner Patientinnen und Patienten fragen mich oft was ich als Plastischer Chirurg und Schönheitschirurg für Sie bei der Diagnose Brustkrebs tun kann.

Deshalb und weil, gerade der Monat Oktober von der Weltgesundheitsorganisation als Brustkrebsmonat ausgerufen wurde, möchte ich von meiner Sichtweise zu Brustkrebs berichten und was ich als Plastischer Chirurg und Weichteilspezialist bei der Diagnose Brustkrebs tun kann.

Persönliche Anmerkung: Vorsorge ist alles

Das Thema Brustkrebs ist eine überaus sensible Thematik, die mir jeden Tag in meinem Beruf als Schönheitschirurg begegnet. Jedoch ist Brustkrebs und seine Prävention auch in meinem privaten Leben ein Thema geworden. Es ist mir deshalb wichtig hier deutlich zu machen, wie wichtig die richtige Vorsorge ist! Gehen Sie zur Vorsorge zum Gynäkologen, tasten Sie jeweils Ihre Brust selbst ab und stellen Sie eine Familienanamnese auf, um das Brustkrebsrisiko abzuschätzen. Dies bedeutet, dass beispielsweise wenn ihre Mutter oder Grossmutter oder Verwandte ersten Grades an Brustkrebs erkrankt sind, Sie ein erhöhtes Risiko haben auch daran zu erkranken. Dies kann gut über einen Gentest getestet werden. Eine positives Ergebnis, heisst nicht, dass Sie auch daran erkranken werden. Es bedeutet nur, dass man die richtigen Schritte zur Prävention einleiten sollte.

Nicht jede Brust ist gleich

Oft wird den Patientinnen empfohlen, eine Mammographie durchführen zu lassen, um eventuelle Knoten oder Veränderungen in der Brust zu erkennen. Ab 50, werden deshalb die Frauen zum Mammographiescreening aufgeboten. Jedoch eignet sich solch ein Bildgebungsverfahren nur bedingt für junge, grobdrüsige Brüste für Frauen um die 30. Deshalb empfehle ich meinen Patienten anstatt zur Mammographie zum MRT (Magnetresonanztompgraphie) zu gehen. Oft kann die Mammographie mit einer Sonographie (Ultraschall) der Brust verbunden werden.  Sprechen Sie deutlich Ihren Gynäkologen auf diese Problematik an.

Diagnose Brustkrebs

Wird eine Patientin mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert, so vergeht bis zur definitiven Behandlung zunächst etwas Zeit. Diese Zeit wird auch dazu genutzt, um die Behandlung optimal zu koordinieren.

Für die individuell auf die Bedürfnisse der Patientin angepasste Behandlung bedarf es der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen, Onkologen und Plastischem Chirurgen.

Letzterer kümmert sich im Fall einer Brustamputation (Mastektomie) um die Rekonstruktion der Brust. Auch bei einer brusterhaltenden Operation hilft der Plastische Chirurg bei der Exzision des Tumorgewebes und der Entfernungbeispielsweise der Lymphknoten. Ziel hierbei ist es, die Brust ästhetisch ansprechend zu erhalten und möglichst wenig Narben zu erzielen und Gewebeeinschmelzungen zu verhindern.

Brustkrebs bei Männern

Wenn auch längst nicht so häufig wie bei Frauen, kann auch die männliche Brust von Brustkrebs befallen sein und daran erkranken. Denn das Brustgewebe ist beim Mann ähnlich wie bei der Frau aufgebaut. Entsprechend kann sich auch bei den Männern ein Tumor im Brustgewebe bilden. (Mehr Infos unter: https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/brustkrebs-beim-mann/).

Operative Entfernung des Tumorgewebes

Die operative Entfernung des Tumorgewebes aus der Brust ist ein grundlegender und wichtiger Teil der Brustkrebsbehandlung. Sie ist jedoch nur ein Glied in der Abfolge der gesamten Behandlung, die sich insgesamt am Stadium der Erkrankung orientiert. Während des Eingriffes wird zunächst das Tumorgewebe aus der Brust entfernt. Wie viel Gewebe dabei entnommen werden muss, hängt vor allem von der Grösse und der Ausbreitung des Tumors ab.

Brusterhaltung als primäres Ziel

Bei der Mehrzahl der Frauen ist heute eine brusterhaltende Operation bei der Diagnose Brustkrebs möglich. Ist dies nicht möglich und muss die Brust abgenommen werden (Mastektomie), können Patientinnen heute fast immer unter verschiedenen Verfahren der Brustrekonstruktion wählen, von der Büstenhalterprothese über dauerhaft eingesetzte Silikonimplantate bis hin zum Brustaufbau mit körpereigenem Gewebe.

Therapie: Brusterhaltende Operation bei Brustkrebs

Ist ein Tumor sehr gross, lässt er sich eventuell nicht gleich operativ entfernen. Bei betroffenen Patientinnen kann eine vorgeschaltete Chemotherapie den Tumor unter Umständen verkleinern und operabel machen. Eine vorgeschaltete Therapie kann es bei manchen Frauen auch möglich machen, auf eine Mastektomie zu verzichten und stattdessen brusterhaltend zu operieren.

Operation kombiniert mit Bestrahlung und / oder Chemotherapie

Nach brusterhaltender Operation und abhängig von der Gewebeuntersuchung und Tumorausdehnung ist es zum Teil notwendig, die Brust zu bestrahlen, um das Rückfallrisiko zu senken. Die Strahlenbehandlung dient der Zerstörung von Krebszellen, die möglicherweise in der Brust zurückgeblieben sind.

Bei vielen Patientinnen schliesst sich an die Operation zudem eine Hormontherapie, eine Chemotherapie oder eine Immuntherapie an. Bei besonders hohem Risiko können alle drei Verfahren miteinander kombiniert werden. Diese Therapien das Rückfallrisiko senken und eine Ausbreitung der Krankheit verhindern.

Abnahme der gesamten Brust (Mastektomie)

Lassen Grösse und Ausbreitung des Tumors keine brusterhaltende Operation zu, ist eine komplette Abnahme der Brust (Mastektomie) nötig. Jedoch entfernt man bei einer Mastektomie heute die Brust nicht mehr so radikal wie noch vor wenigen Jahrzehnten.

Weiter entwickelt haben sich auch die Möglichkeiten, nach einer Amputation die Brust operativ wieder aufzubauen.
Ob eine Bestrahlung auch nach einer Abnahme der Brust notwendig ist, richtet sich nach dem individuellen Rückfallrisiko.

Brustaufbau mit Brustimplantaten

Nach einer Amputation kann die Brust mit Implantaten wieder aufgebaut werden. Am häufigsten sind dabei mit Silikongel gefüllte Implantate. Trotz früherer Meldungen über Probleme bei Billigimplantaten und Implantaten mit nicht zugelassenen Füllstoffen gelten Silikonprothesen guter Qualität heute als sicher. Insbesondere auch, was das Risiko für Autoimmunerkrankungen oder sogar Brustkrebs betrifft. Ich verwende für meine Patienten nur Implantate vom amerikanischen Hersteller Mentor.   Mit ihnen habe ich nur sehr gute Ergebnisse und Erfahrungen erzielt.

Ebenfalls möglich sind Füllungen mit einer Kochsalzlösung, zum Beispiel bei Implantaten, die nur vorübergehend eingesetzt werden. Solche Implantate können über ein zuvor unter der Haut platziertes Ventil sukzessive mit Wasser gefüllt werden. Damit kann zusätzliche Haut gewonnen werden, die dann in einer 2. Operation ein grösseres Silikongel gefülltes Implantat ermöglicht. Der Vorteil von mit Silikongel gefüllten Implantaten im Vergleich zu wassergefüllten ist, dass diese natürlicher sind, fast sogar wie Brustgewebe.
Kann die Haut bei der Brustamputation geschont werden, lassen sich oft auch die Brustwarze und der darum liegende Hof ganz oder zumindest teilweise erhalten. Ist dies nicht möglich, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Rekonstruktion. Beispielsweise über permanente Pigmentierung (permanent Make-Up) oder eine Formung des Nippels durch Eigengewebe.

Brustaufbau ohne Implantat, mit körpereigenem Gewebe

Als Alternative zu einem Implantat kann die amputierte Brust auch mit Eigengewebe vom Bauch oder Rücken, seltener auch von anderen Körperteilen, wieder aufgebaut werden. Dazu "verschiebt "man ein Haut-Fett-Lappen mit oder ohne Muskulatur auf die Brust  „verpflanzt“ ihn dort hin.

Wird Gewebe verschoben, bleibt dessen ursprüngliche Blutversorgung erhalten. Der plastische Chirurg löst Muskelgewebe (in der Regel vom Rücken oder Bauch) nur teilweise und verschiebt es unter der Haut auf die Brustwand. Dort modelliert man das Gewebe zur neuen Brust.

Verpflanzt man dagegen Gewebe, wird es für kurze Zeit völlig vom Körper getrennt. Dann verbindet man es wieder neu mit den Blutgefässen in der Brustwand, mittels mikrochirurgischer Technik.

Der Brustaufbau mit Eigengewebe ist weit aufwendiger und belastender als die Einlage von Implantaten: Die Eingriffe dauern lange, das Blutungsrisiko ist höher und das Risiko weiterer Komplikationen steigt. Ausserdem müssen Frauen mit zusätzlichen, grossen Narben an der Entnahmestelle rechnen. Auch müssen Kompromisse in der Ästhetik der Brust gemacht werden.

Einschränkungen nach Lappenverschiebung

Je nach Operationstechnik kann es durch die Entnahme des Gewebes zu Bewegungseinschränkungen kommen, zum Beispiel wenn Teile eines Rückenmuskels genutzt werden. Es besteht zudem das Risiko von Durchblutungsstörungen und dem Absterben von Gewebe, so dass eine Nachoperation nötig wird. Die Erholung und Nachsorge einer Brustrekonstruktion mit Eigengewebe ist länger und aufwendiger als bei einer Rekonstruktion mit Implantaten.
Ein Vorteil der Methode mit körpereigenem Gewebe ist, dass der Körper das Eigengewebe als solches erkennt und keine Abwehrmechanismen auslöst. In einigen Fällen ist eine Kombination von Brustimplantat mit der Brustrekonstruktion durch Eigengewebe sinnvoll.

Die richtige Methode  - Sie wählen gemeinsam mit Ihren betreuuenden Ärzten

Welche Methode im individuellen Fall jedoch die beste ist, hängt von den Wünschen der Frau und ihrer medizinischen Situation ab: Ist eine Patientin beispielsweise sehr schlank, hat sie meist nicht genug Gewebe am Bauch, um eine Brust zu formen, und müsste auch bei der Entnahme eines Muskels vom Rücken viel gesundes Gewebe opfern. Insbesondere bei grossen Brüsten wird daher zum Teil zusätzlich zum Eigengewebe ein Implantat eingesetzt.

Der Brustaufbau alleine durch Eigenfett (ohne Haut und Muskulatur)  ist eine gute Alternative in der Zukunft, vor allem in Verbindung mit der Stammzellenforschung.

Die rekonstruierte Brust kann sich nach einem Eingriff noch verändern: Bei der Verwendung von Implantaten gibt die Haut zum Beispiel noch etwas nach. Eine mit Eigengewebe aufgebaute Brust kann sich noch absenken. Die Brustwarze wird daher selten sofort, sondern meist erst Monate nach dem Wiederaufbau der Brust rekonstruiert. Eine rekonstruierte Brust mit Eigenfett kann über die Jahre an Volumen verlieren.

Empfehlung an Sie

Wenn Sie oder Familienangehörige die Diagnose Brustkrebs erhalten, ist es wichtig, sich die Zeit zum Entscheiden und informieren zu nehmen. Wählen Sie gemeinsam mit dem Arzt Ihres Vertrauens, Ihres Befundes und Ihres Gesundheitszustands die für Sie richtige Behandlungsmethode aus. Auch empfehle Ich immer sich eine Zweitmeinung einzuholen. 

Das oberste Ziel bei Brustkrebs ist immer das "Gesundwerden" und den Krebs zu bekämpfen um weiter leben zu können. Das Ästhetische Ziel die Brust zu erhalten und Form und Optik zu bewahren ist immer dem Ziel des Gesundwerdens unterzuordnen.

Bestehen Sie darauf, dass in ihr Behandlungsteam Fachleute aus verschiedenen Disziplinen mit einbezogen werden. Dies bedeutet, neben dem Gynäkologen und Onkologen, auch Plastische Chirurgen und Hämatologen.

Erarbeiten Sie einen Behandlungsplan mit Optionen für verschiedene Eventualitäten, damit Sie für alles so gut wie es geht, gewappnet sind.

Holen Sie Ihre Familie und Freunde mit ins Boot und erarbeiten Sie mental einen "Feldzug" gegen Ihre Krankheit vor.  Und nehmen Sie sich Zeit nur für sich und Ihren Körper.

Ich und mein Team, stehen Ihnen gerne bei allen Fragen bezüglich Brustkrebs, die richtige Behandlungsmethode und Fragen der Brusterhaltung zur Verfügung. Wir nehmen uns Zeit für Sie und Ihre Anliegen!

Herzlich,

Ihr Dominik Feinendegen