Plastische Chirurgie und warum Sie ein "lebenswerteres Leben" ermöglicht

Gelebte Plastische Chirurgie

Vor über einem Jahr kam ein sehr netter, älterer Herr in meine Praxis mit der Bitte, ich und mein Team mögen Ihm doch helfen. Der Herr warr regelrecht "entstellt" durch Basalzellkarzinome (weisser Hautkrebs). Unter anderem war seine Nasenspitze betroffen.

In mehreren Sitzungen und Operationen gaben mein Team und ich Ihm ein neues Lebensgefühl und sein Aussehen wieder. Der Patient war uns so dankbar und tief berührt, dass es mich motivierte über seinen Fall Ihnen zu berichten. Gerne möchte ich Ihnen zu zeigen, warum die Plastische Chirurgie Leben verändern kann.

(Es sei angemerkt, dass der Patient seine schriftliche Einwilligung und Erlaubnis gab, dass ich Ihnen diesen Fall mit seinen Bildern präsentieren darf).

Wie lautete die Diagnose?

Der Patient stellte sich in meiner Praxis vor mit dem erwiesenen Befund von Basalzellkarzinomen an:

1). Nase,

2.) Wange,

3.) Stirn links (temporal links), vor dem Haaransatz.

Es war deutlich ersichtlich, dass bereits zuvor durch konservative Methoden wie Vereisung oder Photodynamische Therapie versucht worden war die Karzinome zu behandeln.

Am Haaransatz vor dem linken Ohr war es mittlerweile zu einer Gewebeeinschmelzung gekommen und man konnte den Knochen und das Periost sehen. Auch war bereits die Nasenspitze und ein Grossteil der Nase nicht mehr vorhanden. Ebenso zeigte die Wange bereits Löcher.

Die Bilder hier zeigen die Befunde, als sich der Patient zum ersten Mal bei mir vorstellte.

Wie liefen die Operationen ab?

Die drei Befunde wurden exzidiert und die entstandenen Defekte durch unterschiedliche Operationstechniken wieder rekonstruiert und verschlossen.

Befund Wange, wie wurde operiert?

Der Befund an der Wange wurde exzidiert (herausgeschnitten) und der Defekt wieder verschlossen. Wenn Gewebe wie beispielsweise Tumorzellen aus einer Fläche wie dem Gesicht exzidiert werden, entsteht immer ein Defekt (dies bedeutet umgangssprachlich ein "Loch"). Diesen Defekt muss man wieder verschliessen.

Das entstandene "Loch"(dort wo das Basalzellkarzinom exzidiert wurde),wurde mit einem so genannten V/Y-Perforator Lappen  mit 90° Rotation wieder verschlossen.

Durch den Gebrauch eines Lappens zum Verschluss eines "Lochs" wie hier in der Wange, entsteht ein Defekt, der sogenannte Hebedefekt. Um diesem auszugleichen und zu verschliessen, wurde der SMAS (Gewebeschicht) und die Haut mobilisiert. Dadurch konnte der Hebedefekt wieder gedeckt werden. Man muss sich vorstellen, dass bei so genannten Lappenplastiken die Haut und das Gewebe, wie bei Legosteinen verschoben wird.

Die Plastische Chirurgie hat dabei immer das Ziel, die Funktion und Ästhetik zu bewahren und wenn immer möglich ein ästhetisch schönes Ergebnis zu erzielen.

Die Bilder zeigen wie ich einen V/Y Perforator Lappen mit 90° Rotation ausführe, um den Defekt an der Wange zu decken.

 

Befund Nase, wie wurde operiert?

Die fast nicht mehr vorhandene Nase wurde mit einem so genannten Stirnlappen wieder rekonstruiert, nachdem wir noch mehr befallenes Tumorgewebe entfernen mussten.

Bei solch grossen Defekten kann man durch einen Stirnlappen die Nase wieder rekonstruieren. Dabei nehmen wir Gewebe, sprich Material von der Stirn.

Zunächst wird der Stirnlappen, den wir zur Deckung der Nase benötigen umschnitten und anschliessend 10 Tage gewartet.

In einer weiteren Sitzung wird der Stirnlappen auf die Nase (den Defekt) transferiert und eingearbeitet.

Nach 2 Wochen wird in einer weiteren Sitzung der Stiel des Stirnlappens durchtrennt und das Gewebe, welches übrig war, also nicht gebraucht wurde, in die Stirn zurück verlagert.

Die gesamte Rekonstruktion der Nase mittels Stirnlappen benötigt mehrere Sitzungen und gehört in erfahrene Hände.

Die Bilder zeigen die Präparation des Stirnlappens mit Transfer auf die Nase.

 

Befund vor dem Ohr links, wie wurde operiert?

Die Gewebeeinschmelzung wurde mit einem Advancement Lappen wieder gedeckt. Zuvor haben wir noch weiteres befallenes Gewebe exzidiert. Um den Defekt zu decken, haben wir umliegendes Gewebe mobilisiert und dann verschoben. Wir präparieren dabei bis zum Periost (Knochenhaut) und mobilisieren und verschieben Gewebe mit den Blut- und Nervengefässen. Es ist dabei wichtig, dass die Gefässe nicht durchtrennt werden, sondern intakt bleiben, denn sonst stirbt das Gewebe ab.

Lappenchirurgie im Gesicht ist teilweise Mikrochirurgie und erfordert das exakte Wissen von allen Nerven- und Blutbahnen, sowie generell gute anatomische Kenntnisse. Im Gesicht unter den verschiedenen Schichten verlaufen beispielsweise Äste des Faszialesnerven, der die Gesichtsmuskulatur mit "Strom" versorgt.  Deshalb erfordert diese Chirurgie viel Erfahrung und absolutes Fachwissen.

Was ist das Ergebnis?

Sehen Sie selbst...

 

Die Fotos sind 6 Wochen nach der letzten OP entstanden

Die minimalen Narben müssen akzeptiert werden, da es in diesem ausgeprägten Fall ohne eine kleine Narben schlichtweg nicht geht. Durch die Flat Incision Technique (FIT) als neue Methode der Schnittechnik, konnte ich unschöne Narben vermeiden. Mit der Zeit verblassen die Rötungen der frischen Narben noch.

Warum ich ein "Chirurg der Seele" bin

Dieser Fall macht auf eindrückliche Weise sichtbar, warum Plastische Chirurgie mehr ist als die reine "Schönheitschirurgie". Plastische Chirurgie hat das Potenzial Leben zu verändern und besser zu machen.

Auch zeigt sich in diesem Fall, warum Plastische Chirurgie sowohl die Schönheitschirurgie als auch die Rekonstruktive Chirurgie beinhaltet. Und warum Ästhetik und Funktionalität in einer Wechselwirkung stehen.

Der oben gezeigte Fall spiegelt meine ganz persönliche Einstellung zur Plastischen Chirurgie und Schönheitschirurgie wieder. In meiner Kindheit hatte ich das Glück, Joseph Murray, Nobelpreisträger der Medizin und grosser Plastischer Chirurg kennen zu lernen. Jospeh Murray war ein guter Freund meines Vaters.

Joseph Murray hat in seinem berühmten Buch die Plastische Chirurgie als "Chirurgie der Seele" bezeichnet. Dieser Begriffsbezeichnung kann ich mich nur anschliessen.

Denn egal, ob Sie wie unser Fallbeispiel oben zeigt, an Entstellungen im Gesicht durch einen Turmor leiden, oder sich weniger Falten, oder eine grössere Körbchengrösse oder straffere Brüste, oder ein jüngeres Aussehen wünschen, die Plastische Chirurgie vermag es die Seele zu beeinflussen. Durch jeglichen Eingriff oder Behandlung wird auch immer Ihre Seele, Ihr Selbstbewusstsein und Ihr Wohlbefinden behandelt und verbessert.

Diese Wertvorstellung beinhaltet Motivation und Demut zugleich. Denn jeder, der im Bereich der Plastischen Chirurgie arbeitet, sollte um die Verantwortung für den Menschen wissen und Sie auch entsprechend leben.

Bei Fragen zum gezeigten Fall oder sonstigen Anliegen dürfen Sie sich jederzeit gerne an uns wenden.

Herzlich,

Ihr Dominik L. Feinendegen